Umfrage des Quartals | Januar – März 2011: Sind Sie für oder gegen ein Verbot der Präimplantationsdiagnostik?
Seit einigen Wochen gibt es viele Diskussionsrunden und Gespräche – erfreulicherweise oft überfraktionell – zum Thema Präimplantationsdiagnostik (PID). Der Bundesgerichtshof hat im Juli 2010 ein Urteil des Berliner Landgerichts vom Mai 2009 bestätigt und damit die PID in einer bestimmten Form auch im Rahmen des Embryonenschutzgesetzes für zulässig erklärt. Demnach dürfen Embryos im Labor auf genetische Krankheitsdispositionen vor einem möglichen Transfer in die Gebärmutter untersucht werden. Ein positiver oder negativer Befund entscheidet darüber, ob der Embryo in die Gebärmutter eingepflanzt wird oder nicht. Embryos mit bestimmten Gendefekten oder Chromosomen-Abweichungen dürfen mit Zustimmung der Eltern vom Reproduktionsmediziner vernichtet werden. Mitte November nun hat sich eine knappe Mehrheit der Delegierten des CDU-Parteitags in Karlsruhe für ein Verbot der PID ausgesprochen. Trotzdem bleibt das Thema innerhalb meiner Partei umstritten.
Wichtig sind dabei unter anderem folgende Fragen: Fördert die PID das uneingeschränkte 'Ja' zum Kind? Was könnten langfristige Folgen der PID-Zulassung sein? Wäre der Embryo durch ein PID-Verbot in der Petrischale besser geschützt als der Fötus im Mutterbauch? Wann beginnt das menschliche Leben – mit der Befruchtung der Eizelle oder erst, wenn sie sich in der Gebärmutter eingenistet hat? Sowohl Argumente für als auch gegen ein Verbot der PID haben ihre Berechtigung, daher benötigen wir aus meiner Sicht eine längere Diskussion.
Ich bin offen für konkrete Meinungen von Ihnen und Euch aus Chemnitz. Ein paar Rückmeldungen habe ich bereits bekommen, es dürfen gern noch mehr werden. Hiermit lade ich Sie und Euch herzlich dazu ein!
Nach Ablauf des Quartals werde ich an dieser Stelle die Ergebnisse der Umfrage veröffentlichen. Dabei möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass es sich nicht um eine repräsentative Umfrage handelt, sondern um ein Stimmungsbild, an dem ich für meine Arbeit interessiert bin. Die bewusst einfach gehaltene Abstimmung soll zum spontanen Mitmachen anregen und die generelle Beteiligung erhöhen.
Ergebnis: Wer entscheidet darüber, was lebenswert ist? Die Präimplantationsdiagnostik (PID) spaltet die Gemüter.
Ein herzliches Dankeschön den 234 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die an meiner Umfrage teilgenommen haben!
Natürlich ist die Umfrage nicht im wissenschaftlichen Sinne repräsentativ, doch macht sie ein Stimmungsbild deutlich: Von den 234 abgegebenen Voten plädieren knapp drei Viertel für ein Verbot der PID. Betrachtet man nur die 68 Stimmen aus Chemnitz, sieht das Bild etwas anders aus: Mit 48,5 Prozent Befürwortern des Verbots zu 51,5 Prozent Gegnern halten sich beide Seiten nahezu die Waage. Allerdings sprachen sich die persönlichen Zuschriften aus Chemnitz, die ich erhalten habe, ebenfalls für ein Verbot aus.
Interessant sind auch die Statements aus der Umfrage (siehe unten). Auch sie zeigen deutlich, wie kontrovers das Thema diskutiert wird.
Recht und Gerechtigkeit sind nicht immer problemlos miteinander vereinbar. Ethik und Moral werden unterschiedlich bewertet und nehmen individuell andere Stellenwerte ein. Der letzte Entscheidungsträger bleibt das eigene Gewissen. Ich persönlich habe mich entschieden: Ich bin für ein Verbot der PID. Für mich ist jedes Leben lebenswert. Auch bin ich gegen jede Form von Auswahl menschlichen Lebens. Für einen persönlichen Austausch dazu stehe ich nach wie vor gern zur Verfügung.
Eine Auswahl an eingegangenen Kommentaren:
„Qualitätscheck via PID? Nein!“
„PID hat nicht zum Ziel, eine nach subjektiven Merkmalen orientierte Selektion zu entwickeln.“
„Jedes Kind ist ein Geschöpf Gottes und sollte auf dieser Erde willkommen sein!“
„Bei der PID wird nur nach einer ganz bestimmten Krankheit gesucht und der erste Wunsch, den nahezu jedes neue Elternpaar hat, ist ein gesundes Kind.“
„Kein Mensch hat das Recht darüber zu urteilen, welches Menschenleben lebenswert ist und welches nicht.“
„Ich bin dagegen, dass der Staat mir als zukünftigem Vater vorschreibt, ob ich die PID machen darf oder nicht.“
„Es ist ethisch weitaus verwerflicher, etwas zu verbieten, das dazu führt, dass Frauen Embryos eingepflanzt werden, die in der Folge pränataler Untersuchungsergebnisse abgetrieben werden.“
„Gesunde Kinder sind das größte Glück der Eltern!“

21. Mai 2012
25. Mai 2012
| 14:00 Uhr
31. Mai 2012
| 21:00 Uhr
