Umfrage des Quartals | Oktober - Dezember 2011: Fühlen Sie sich als Europäer?

Seit einigen Monaten wird über die Zukunft Europas spekuliert. Der Grund dafür ist vor allem die Schuldenkrise in Europa. Die europäische Währungsunion steht vor einer großen Bewährungsprobe. Immer öfter wird das Spannungsfeld zwischen nationalen und europäischen Interessen zum Gegenstand zahlreicher Diskussionen. Es geht um Eurobonds, eine mögliche Insolvenz Griechenlands, den Rettungsschirm und den Europäischen Stabilitätsmechanismus. Drei Verfassungsbeschwerden gegen Maßnahmen im Zusammenhang mit der Griechenland-Hilfe und dem Euro-Rettungsschirm wurden vom Bundesverfassungsgericht (BVG) am 7. September 2011 zurückgewiesen. Gleichzeitig stärkte das BVG auch die Beteiligungsrechte des Parlaments: Künftige Finanzhilfen sind an die Vorgabe gekoppelt, dass der Haushaltsausschuss jedem Schritt zustimmen muss.

 

Bei all diesen Diskussionen darf eines nicht vergessen werden. Europa ist weit mehr als nur eine Währungsunion bzw. Wirtschaftgemeinschaft. Bereits für Konrad Adenauer und seine frühen europäischen Mitstreiter (Robert Schuman, Alcide de Gasperi und Jean Monnet) war klar, dass die EU vor allem eine Wertegemeinschaft sein muss. Eine politische Gemeinschaft braucht für ihren Zusammenhalt gemeinsame Grundwerte. So erhält das Handeln eine gemeinsame Richtung. So begründet sich Legitimität und Solidarität zwischen den Bürgern. Zu diesen gemeinsamen Werten, die wir alle teilen, gehören vor allem Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Achtung der Menschenrechte. Viele europäische Errungenschaften wie z. B. Demokratie, Gleichberechtigung, Verbot der Todesstrafe, Bewegungsfreiheit, Religionsfreiheit oder Meinungsäußerungsfreiheit scheinen heute selbstverständlich zu sein. Diese gemeinsame Werte gelten als Grundlage eines friedlichen Zusammenlebens und bilden einen Teil unserer europäischen Identität. Grundlegend für eine europäische Identität ist ein Gefühl der Zugehörigkeit und des gemeinsamen Stolzes auf Europa. Europäische und nationale Identität schließen sich nicht aus, sondern stützen sich gegenseitig.

Was bedeutet für Sie Europa? Wie stark ist Ihre europäische, nationale bzw. regionale Identität ausgeprägt? Diese Fragen interessieren mich sehr.

Ich bin offen für konkrete Meinungen von Ihnen und Euch, insbesondere aus Chemnitz und freue mich auf eine möglichst hohe Beteiligung an dieser Umfrage.

zur Umfrage

 

Ergebnisse zur Umfrage des Quartals: Fühlen Sie sich als Europäer?

Gerne möchte ich Eure / Ihre Meinung kennen, darum lief im letzten Quartal des vergangenen Jahres auf meiner Webseite bereits die vierte Umfrage. Die Aufmerksamkeit für europäische Themen ist durch die Angst um den Euro und die Frage nach einer europäischen Identität in den vergangen Monaten stark gestiegen. Darum habe ich Sie und Euch nach dem Zugehörigkeitsgefühl zu verschiedenen Regionen gefragt. Mich hat vor allem interessiert, was für Sie Europa bedeutet und auch wie stark jeweils die europäische, die nationale und die regionale Identität ausgeprägt ist. Natürlich handelt es sich hier nicht um eine repräsentative Umfrage, sondern lediglich um ein Stimmungsbild der Bürgerinnen und Bürger, die sich an der Abstimmung beteiligt haben. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen 104 Teilnehmerinnen und Teilnehmern für ihre Mitwirkung bei der Umfrage  herzlich bedanken. Von 104 Abstimmungen kamen mit 58 mehr als die Hälfte aus Chemnitz. Fast drei Viertel der befragten Einwohner der Stadt Chemnitz fühlen sich auch als Chemnitzer. Die Chemnitzer Identität ist mit diesen 74,1 % abgegebenen Stimmen damit am stärksten ausgeprägt. Die drei anderen Zugehörigkeiten sind bei Chemnitzer Bürgern ungefähr gleich stark vorhanden: 55,1% der Chemnitzer fühlen sich als Europäer, 53,4 % -als Deutsche und 53, 4% - als Sachsen. Nur fünf von 58 befragten Chemnitzer Bürgern positionieren sich ausschließlich als Chemnitzer. Die Mehrheit der Chemnitzer Teilnehmer kann sich somit mit einer größeren Region identifizieren. Betrachtet man die 46 Stimmen der Nicht-Chemnitzer, sieht das Bild etwas anders aus: mit 77, 3% dominiert unter der Befragten die deutsche Identität. An zweiter Stelle kommt dann sächsische Identität (63, 4 % Stimmen). Als Europäer fühlen sich etwa 52, 3 % der befragten Nicht-Chemnitzer. Signifikant ist bei beiden Gruppen die Übereinstimmung in Bezug auf Europa. Die Hälfte aller Abstimmenden fühlt sich trotz Krise als Europäer.

Interessant sind neben den Zahlen an sich vor allem auch die Begründungen. Die Erläuterungen zum Thema „Europa“ waren vielfältig und sehr unterschiedlich.

Meine Bitte war, diesen Satz zu vervollständigen: „Denke ich an Europa, dann fällt mir ein...“ Hier ist eine Auswahl der eingegangenen Kommentare:

„...Weltkriege, Euro, Heimat, Tradition, Christliche Prägung“

„…dass wir in Deutschland sicherlich sehr von Europa profitieren, aber auch sehr viel für Europa leisten. Ich würde mir wünschen, dass sich alle EU Länder so für Europa engagieren und sich so zu Europa bekennen würden, wie wir das tun…“

„...offene Grenzen, einfacher Kulturaustausch“

„...die gesellschaftliche und kulturelle Vielfalt, die Prosperität und der mittlerweile schon (zumindest im Wesentlichen) über 60 Jahre andauernde Frieden in Europa müssen unbedingt erhalten und ausgebaut werden... Diese Aufgabe wird nur bei möglichst umfassender Selbstbestimmung der Menschen gelingen. Zentralismus und Bürokratiemonster à la Politische Union und Wirtschaftsregierung führen in die Sackgasse. Gefragt sind intelligente Lösungen mit möglichst naher Entscheidung beim Menschen an der Basis!“ „...denke ich an Europa in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht. Zur Frage: In erster Linie fühle ich mich als Deutscher, dann als Chemnitzer und zum Schluss als Sachse. Als Europäer habe ich mich nie und werde ich mich nie fühlen - egal was uns hier noch übergestülpt wird.“

„…dass sich unser Horizont erheblich erweitert hat und dies mehr Toleranz und Verantwortung von den Einwohnern erfordert“

„...Finanzkrise!“ „...Solidarität, Christentum, vergessene Wurzeln“.


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