Umfrage des Quartals | April – Juni 2011: Sind Sie für die Nutzung von Atomkraft zur Stromerzeugung in Deutschland und hat sich Ihre Meinung seit den Ereignissen in Japan geändert?
Am 14. März, drei Tage nach dem verheerenden Erdbeben in Japan, fiel die Entscheidung: „Die Laufzeitverlängerung der deutschen Atomkraftwerke wird vorläufig ausgesetzt.“ Jawohl, kann ich dazu nur sagen. Absolute Zustimmung. Ein bisschen Erleichterung macht sich breit. Freude kann wohl niemand empfinden, angesichts der fürchterlichen Ereignisse in Japan.
Im Oktober letzten Jahres habe ich gegen die Laufzeitverlängerung gestimmt. Dass nur wenige Monate danach dieses Unglück passieren würde, hat niemand geahnt, natürlich auch ich nicht. Und doch hatte ich schon damals formuliert: „Wir wissen bis heute nicht, wie wir den Atommüll entsorgen können; die Risiken der Kernkraft sind nicht bis ins Letzte kalkulierbar.“ Leider wird diese Wahrheit nun auf erschütternde Weise vor Augen geführt.
Das Hauptthema der aktuellen Diskussionen ist die Sicherheit. Es wird über die Sicherheit der deutschen Atomkraftwerke gestritten. Das dreimonatige Moratorium soll die Fragen klären welches Kraftwerk wann vom Netz muss. Für mich ist ganz klar: Wenn wir Atomstrom als Brückentechnologie bezeichnen – und das ist richtig, denn der rasant wachsende Strombedarf ist ohne Atomstrom noch nicht gesichert – dann muss diese Brücke so kurz wie möglich sein. Ein Ausstieg muss so schnell wie möglich erfolgen. Mit jedem Brennstab hinterlassen wir ein Erbe, für dessen Sicherheit niemand garantieren kann.
Ich bin offen für konkrete Meinungen von Ihnen und Euch aus Chemnitz zur Laufzeit unserer Atomkraftwerke und freue mich auf eine hoffentlich große Resonanz auf diese Umfrage. Für jeweils kurze Begründungen wäre ich sehr dankbar.
Ergebnis der Umfrage zur Atomkraft
Während des zweiten Quartals lief auch die zweite Umfrage auf der Startseite meiner Website. Diesmal wollte ich von Ihnen und Euch wissen, ob Sie/Ihr für die Nutzung von Atomkraft zur Stromerzeugung in Deutschland sind/seid und ob diese Meinung mit den tragischen Ereignissen in Japan zu tun hat oder nicht. Das Ergebnis überrascht eigentlich nicht: Von 218 abgegebenen Stimmen sprechen sie 164 und damit klare 75 Prozent gegen eine Nutzung von Atomkraft zur Stromerzeugung aus. Allein die Stimmen aus Chemnitz betrachtend, bestätigt unsere Stadt mit knapp 73 Prozent die deutliche Mehrheit gegen Atomkraft. An dieser Stelle ein ausdrücklicher Dank an alle Chemnitzerinnen und Chemnitzer, die bei der Umfrage mitgemacht haben: von 218 Abstimmungen kamen 118 aus Chemnitz – das ist großartig! Auch die zweite Frage, ob Japan auf die Einstellung zur Atomkraft eine Auswirkung hatte, wurde eindeutig beantwortet – insbesondere aus Chemnitz: reichlich 80 Prozent sagen, dass Japan ihre Einstellung nicht geändert habe. Es ist also davon auszugehen, dass sie der Nutzung von Atomkraft auch vorher kritisch gegenüberstanden. Die genauen Ergebnisse der Umfrage sind in den Diagrammen ersichtlich.
Hier noch eine Auswahl an eingegangenen Kommentaren:
„Schon bei den Laufzeitverlängerungen im Herbst 2010 hab ich meine Stimme dagegen erhoben. Aufgrund des Sicherheitsrisikos und der nicht gelösten Entsorgungsfrage. Die Ereignisse in Fukushima waren dafür nur eine Bestätigung. Die Bundesregierung sollte ein klares Zeichen und Bekenntnis für die Förderung, Erforschung und Nutzung der erneuerbaren Energien setzten. Deutschland könnte hier ein Vorreiter für Europa werden.“
„Atomenergie sichert uns eine stabile Energieversorgung. Sie ist auch im Interesse des Klimaschutzes noch so lange erforderlich bis die regenerativen Energien stabil und ausreichend zur Verfügung stehen.“
„Wir brauchen Atomkraft weiterhin als Brücke, ich begrüße aber, dass ein schnellerer Ausstieg gesucht wird.“
„Der Mensch kann die Atomkraft nicht beherrschen.“



