Veranstaltung: "Fachkräftemangel und demographische Herausforderungen – ist Chemnitz noch zu retten?", 12. Oktober 2011
Unter diesem sehr provokativen Titel diskutierten Experten und Bürger aus Chemnitz am 12. Oktober im vollbesetzten Konferenzraum der Iproplan Planungsgesellschaft über Herausforderungen und Chancen für Chemnitz.
In seiner Begrüßung betonte Frank Heinrich, MdB, der die Veranstaltung organisiert und eingeladen hatte, dass diese Fragen auch in der Bundespolitik angekommen sind, und es nun um konkrete Lösungen für Chemnitz gehe. Mitveranstalter waren der BVMW, vertreten durch Herrn Reinshagen und die MIT, vertreten durch Herrn Messner.
Einleitend stellte Angelika Stockinger das Demographie Netzwerk und die Offensive Mittelstand vor (www.inqa.de). Sie betonte die Notwendigkeit von Netzwerkbildung, um damit Lösungen und Praxisbeispiele zu multiplizieren und um eine starke Stimme gegenüber der Politik darzustellen. Sie verwies auf praktische und hilfreiche tools für Mittelständler im Internet.
Prof. Spanner-Ulmer, Leiterin der Professur Arbeitswissenschaft der TU Chemnitz, hielt das erste Grundsatzreferat über „Standortvorteile durch Wissensvorsprung“. Sie beschrieb die Forschungsbereiche ihrer Fakultät. In der Altersdatenbank werden Verläufe der Fähigkeiten im Alter untersucht, die sich nicht bei allen gleich, sondern unvorhersehbar entwickeln, entsprechend sprach sie sich für altersgerechte und individuelle Arbeitsbedingungen sowie altersdifferenzierte Arbeitsabläufe aus. Ältere mit ihrer „kristallinen“ Intelligenz, ihrem Erfahrungswissen, seien wichtig für Unternehmen. Auch altersgerechte Produktgestaltung wird untersucht: lassen sich Verpackungen leicht öffnen? Sind Etiketten und Erklärungen lesbar? Sie brachte ihre Ergebnisse auf den Punkt: „Entwickle für die Jungen und du schließt die Alten aus, entwickle für die Alten und du schließt die Jungen ein“. Spannend ist der in Chemnitz entwickelte Simulationsanzug. Damit können Beweglichkeit, Hörvermögen oder Sehkraft im Alter simuliert und damit in der Entwicklung neuer Produkte berücksichtig werden. Das hat Auswirkungen für die Industrie und ebenso für die Pflege.
Ralph Burghart, Geschäftsführer Interner Service der Agentur für Arbeit (Regionaldirektion Sachsen), sprach über Chancen durch Aus-und Weiterbildung. Er beschrieb die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt mit der aktuell geringsten Zahl von Arbeitslosen seit 20 Jahren, von der alle Altersgruppen profitieren. Allerdings sah er auch Probleme, etwa am Ausbildungsmarkt, wo es 2011 erstmals mehr Lehrstellen als Bewerber und daher unbesetzte Lehrstellen gibt. Auch die Entwicklung bei den Erwerbspersonen betrachtete er mit Sorge. Ab 2014 wird es mehr Aussteiger als Einsteiger ins Berufsleben geben. Die Antwort auf diese Probleme gehe in zwei Richtungen: Die Zahl der Erwerbspersonen und die Wertschöpfung der Einzelnen müsse erhöht werden. Burghart benannte zehn Handlungsfelder: Abbrecher (Schule, Ausbildung, Studium), Über-55jährige (größtes Potential), Frauen, Zuwanderung, Steigerung der Arbeitszeit, Qualifizierung, Transparenz des Arbeitsmarktes erhöhen, Steuer und Abgaben prüfen. Und alles dies müsse in Kooperation mit der Politik (Bund, Länder, Kommunen), der Wirtschaft (Kammern, Unternehmen, Verbände) und den Tarifpartner geschehen. Auf Nachfrage sprach er sich für eine stärkere Berufsorientierung in den Schulen aus.
Dr. Karsten, Hauptgeschäftsführer der HWK Chemnitz, hielt den abschließenden Vortrag über „Handlungsstrategien für Unternehmen“. Besondere Sorge bereitet ihm die hohe Quote von Schulabbrechern in Chemnitz. Sie liegt bei 14%, gegenüber 11% in Sachsen und weniger als 10% bundesweit). Um Schulabbrüchen vorzubeugen, führt die HWK das Projekt „Sommercamp“ durch. Eine Woche erleben schwächere Schüler durch praktische Arbeiten, dass ihre Fähigkeiten gebraucht werden. „Und wenn sie erstmal eine Lok gezimmert oder einen Grill gebaut haben, da ist es dann auch egal“ erklärte Dr. Karsten mit einem Schmunzeln, „ob die Schüler Holz nun mit „z“ oder „tz“ schreiben.“ Im HWK Bezirk Chemnitz, der 24.500 Betriebe umfasst, gebe es viele Unternehmer und Arbeitnehmer über 50, ein Nachwuchsproblem zeichne sich ab. Dr. Karsten forderte daher eine Bildungspolitik, die auch auf Ausbildungsberufe und nicht nur auf Hochschüler setze. Er plädierte dafür, die duale Ausbildung und Praktika weiter zu stärken. Auch müsse die Ausbildung individueller und attraktiver werden. Dafür bedürfe es Arbeitsplatzgarantien und auch klarer Karrierechancen für junge Menschen. Eine wesentliche Handlungsstrategie sah er in der Verbindung von Erfahrungswissen (Älterer) mit Innovationswissen (Jüngerer) sowie einer langfristigen Nachfolgeplanung.
In der angeregten Diskussion ging es dann vor allem um das Thema der Zuwanderung ausländischer Fachkräfte. Es wurde von mehreren Teilnehmern gefordert, die Zugangsbedingungen (etwa Mindestgehalt, Sprachkenntnisse) zu vereinfachen.
In seinem Schlusswort unterstrich Frank Heinrich, dass der Fachkräftebedarf nicht einfach ein Mangel sei. Die nach Branchen und Regionen verschiedenen Anforderungen müssen speziell auf Chemnitz herunter gebrochen werden. Viele Anregungen habe dieser Abend gegeben. Heinrich plädierte dafür, an der TU eine eigenen Demographielehrstuhl einzurichten.
21. Mai 2012
25. Mai 2012
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31. Mai 2012
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Mai 2012 - Ergebnis der Klausur der ostdeutschen Bundestagsabgeordneten: Ramsauer kommt nach Chemnitz, Reises des Menschenrechtsausschusses nach Jordanien und Libanon, Zwei Mädchen zum Girls‘ Day in meinem Berliner Büro, Haushaltspolitik im 21. Jahrhundert in Bund, Land und Kommune, Chemnitzer Museumsnacht 2012, Lexikon: Betreuungsgeld
